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Hamburger Friedhöfe unter Erneuerungsdruck

Die Zukunft der Friedhöfe stellt angesichts der rückläufigen Bestattungszahlen, der teilweise zu groß dimensionierten Friedhofsanlagen und aufgrund des Wandels beim Bestattungsverhalten eine Herausforderung für die Betreiber von Friedhöfen dar. Sinkenden Einnahmen im Kerngeschäft stehen bei vielen Friedhöfen steigende Ausgaben für Instandhaltung und Pflege der Grünanlagen gegenüber. Neben dieser Problematik im Kerngeschäft haben die Friedhofsbetreiber auch die anderen Funktionen der Friedhöfe für die Städte zu sichern, denn Friedhöfe sind zugleich Natur- und Erholungsraum mit einem wichtigen Einfluss auf das Stadtklima.Darüber hinaus sind sie Rückzugsorte für seltene Tiere und Pflanzen. Die Anlagen, Grabmäler und Skulpturen haben oft einen besonderen denkmalpflegerischen Wert, den es zu erhalten gilt. Vor diesem Hintergrund ist das Thema auch eine Herausforderung für Stadt- und Regionalplaner sowie Landschaftsplaner. 

 

In Hamburg sind neben dem größten Parkfriedhof Europas, dem Friedhof Ohlsdorf, 51 weitere Friedhöfe in unterschiedlichen Trägerschaften (Bezirke, Kirche, etc.) vorhanden. Die Projektteilnehmer haben sich im Sommersemester 2007 zunächst intensiv in die Thematik eingearbeitet. Im Rahmen einer Exkursion nach Hamburg wurden elf Friedhöfe besichtigt und zahlreiche Expertengespräche geführt. Dabei wurden wichtige Erkenntnisse und unterschiedlichste Sichtweisen zur Situation der Friedhöfe in Hamburg und zum Bestattungswesen allgemein gewonnen, da die Bandbreite der Gespräche von der Wissenschaft über die Behörde für Stadtentwicklung, Bezirksvertreter bis hin zu Friedhofsverwaltungen reichte. Darüber hinaus wurden Expertengespräche mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin und dem Deutschen Institut für Urbanistik sowie dem Leiter des Cafés Finovo geführt und drei Friedhöfe in Berlin besichtigt. Gegen Ende des Sommersemesters wurden erste Leitlinien für die Entwicklung der Friedhofslandschaft in Hamburg aufgestellt. Außerdem wurde ein Fragebogen an die Friedhofsträger sowie die Vertreter weiterer Nutzungs- bzw. Anspruchsgruppen verschickt. 

Mit der zuständigen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Hansestadt Hamburg (BSU) wurde eine konstruktive Kooperation erreicht, die. u. a. zum Erhalt grundlegender Daten oder auch der Vermittlung von Kontakten diente und so einen regen Informationsaustausch ermöglichte. Diese Zusammenarbeit wurde im Wintersemester 2007/2008 fortgesetzt.

Im Rahmen der 2. Exkursion nach Hamburg wurde die Bestandsaufnahme fortgeführt. Mit der BSU wurde zudem ein Workshop durchgeführt. Mit diesem Workshop wurde ein fachöffentlicher Diskussions- und Informationsprozess angestoßen, der eine Grundlage für die erforderlichen Veränderungen der Hamburger Friedhofslandschaft bereitet. Das Projekt übernahm als Veranstalter dabei die wesentlichen inhaltlichen und organisatorischen Aufgaben sowie die Moderation. Zur Teilnahme am Workshop wurden die Friedhofsträger sowie weitere Multiplikatoren eingeladen.

Ergebnis der Projektarbeit im Wintersemester war die Erstellung eines FEP für Hamburg, der neben einer Bedarfsplanung zeitlich gestufte Vorschläge für den Erhalt, die teilweise Umnutzung oder die Nachnutzung der meisten Friedhöfe enthält und die Öffnung für neue Nutzungen anregt. Damit sollten gangbare Wege für die künftige Entwicklung der Hamburger Friedhöfe aufzeigt werden.